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Mainburg ist „Fairtrade-Stadt“

Mainburg ist „Fairtrade-Stadt“
Strahlend nimmt Stadtoberhaupt Josef Reiser neben Elisabeth Krojer die lang ersehnte Urkunde von Hannah Rüther (links) entgegen.

 Jetzt sind wir offiziell „Fairtrade-Stadt" 

 Bürger feiern Verleihung auf Christkindlmarkt mit „Coro Intermezzo" und Stadtkapelle 

„Mainburg ist Fairtrade-Stadt!", schallt die Stimme von Elisabeth Krojer, Sprecherin der Steuerungsgruppe, am Sonntagnachmittag über den Christkindlmarkt. Nach einem Jahr Einsatz für „die gute Sache" darf sich die Hopfenstadt nun ganz offiziell Stadt des fairen Handels nennen.

Die Anspannung auf dem weihnachtlich geschmückten Marktplatz ist zu spüren, als der ersehnte Moment endlich gekommen ist. Unter großem Beifall schreitet Bürgermeister Josef Reiser auf die Bühne und nimmt die Urkunde von Hannah Rüther von der Siegelorganisation Fairtrade Deutschland entgegen.

„Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können wir gemeinsam das Gesicht der Welt verändern." Mit diesem afrikanischen Sprichwort verewigt sich Elisabeth Krojer kurz zuvor im Goldenen Buch der Stadt. Jetzt steht die Sprecherin der Steuerungsgruppe auf der Bühne und moderiert durch die Auszeichnungsfeier. Die Bürger hätten schnell erkannt, so Krojer, dass sie einen wichtigen Beitrag für eine gerechtere Welt leisten können, wenn sie für fair gehandelte Produkte adäquate Preise zahlen - und dafür mit biologischen Erzeugnissen hoher Qualität entlohnt würden.

Nachdem die Jugend- und Stadtkapelle zur festlichen Einstimmung des Publikums ein Ständchen posaunt hat, betreten die Frauen des „Coro Intermezzo" mit Leiter Charly Beck, der sie auf der Geige begleitet, die Bühne. Neben einem israelischen Friedenslied wird der englische Kanon „Come, follow me" von John Hilton angestimmt - jedoch mit neugetextetem Refrain „Follow me to the Fairtrade!".

Danach marschieren die Mitglieder der Steuerungsgruppe - gut erkennbar mit dem grünen Button am Revers - auf die Bühne. Elisabeth Krojer ist stolz auf diese große Gruppe, ruft dem Publikum jedoch ins Gedächtnis, dass die Auszeichnung zur Fairtrade-Stadt erst ein Startschuss ist, um fairen Handel zu verbreiten und sichtbar zu machen.

„Sklaverei und Kinderarbeit sind noch immer real", mahnt Krojer. Die Schere zwischen Arm und Reich sei vor allem in Dritte-Welt-Ländern, in denen Gerechtigkeit oft noch ein Fremdwort ist, riesig. Aber um diese Missstände auszumerzen, brauche es Zeit. Immerhin sei ein Anfang gemacht und die Mainburger haben es auch künftig in ihrer Hand: Jeder Euro, der für faire Produkte über die Ladentheke wandert, sei „politische Kraft". Die Sprecherin appelliert daher an die Bürger: „Nur wenn ihr mitmacht, ändert sich was!"

Hannah Rüther von der Siegelorganisation Fairtrade Deutschland lobt die Einwohner der Hopfenstadt für ihren Glauben an eine Initiative, in der der Mensch im Mittelpunkt steht: „Ihr bekommt den Titel, weil ihr schon Großartiges geleistet habt." Und damit meint Rüther insbesondere die Tatsache, dass die Anzahl der Betriebe und Institutionen, die sich der fairen Aktion verschreiben, die Mindest-Anforderungen für eine Auszeichnung weit übertreffen.

Drei besonders beliebte Import-Güter hebt Rüther heraus: Kakao, Bananen und Blumen. Wenn es um den Verzehr von Schokolade geht, nehmen die Deutschen gleich nach den Schweizern den zweiten Platz ein. Dieses Bild verschärft sich, blickt man auf die Zahlen: Ganze 116 Tafeln (11,6 Kilogramm) der beliebten Süßware konsumiert ein jeder Deutsche pro Jahr.

Oft bedeute das: Genuss in den wohlhabenden Verbraucherländern, Leid auf den Feldern vor allem in Afrika. Dort rackern immer noch Kinder auf Kakaoplantagen; ohne Schutzhandschuhe schlagen sie mit Macheten die Frucht von den Bäumen, spalten die Hülse, um an die Bohne zu gelangen, die später zu Schokolade weiterverarbeitet wird. Mit fairem Handel, erklärt Rüther weiter, könne dem ein Ende gesetzt werden. Die Bauern würden dann ausreichend verdienen, um ihre Schützlinge in die Schule schicken zu können und mehr Kakaobäume zu pflanzen, um in eine gesicherte Zukunft blicken zu können.

Anschließend erfreut der Auftritt des „Walking Act" die Zuschauer: zwölf Jungs und Mädchen im grünen Overall und Hut, die das grüne Männchen auf dem Fairtrade-Banner verkörpern, klappern mit ihren Einkaufswägen - beladen mit dem Fairtrade-Logo - vor die Bühne. Von dort aus verteilen sich die Jugendlichen später in der ganzen Stadt, um die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich und das gelb-blaue Emblem zu ziehen.

Jetzt aber ist es höchste Zeit, das Geheimnis zu lüften, was sich hinter dem grünen Tuch verbirgt. Bürgermeister Reiser macht das Ortsschild Mainburgs für alle sichtbar - mit dem Schild darunter: Wir sind Fairtrade Stadt!

Zwar steige der Umsatz aus Verkäufen fairer Produkte seit 2003 kontinuierlich, so Rüther, trotzdem seien es jährlich nur acht Euro, die der Konsument in die wohltätige Organisation investiert. „Also greifen Sie zu!" In zwei Jahren kommt sie wieder und prüft, ob die Hopfenstadt ihrem Titel „Fairtrade-Stadt" auch gerecht wird.

Bild und Text: Thomas Utz

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