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Wenig effektiv und viel zu teuer

Wenig effektiv und viel zu teuer
In einen reißenden Strom verwandelte sich die Abens (hier am Vereinsheim des Schäferhundevereins gleich neben der Kläranlage) beim Hochwasser im Juni 2013. HZ-Archivfoto: Hagl

Stadtrat legt Rückhaltebecken im Abenstal für den Hochwasserschutz ad acta


Quelle: Hallertauer Zeitung, Harry Bruckmeier

Ein Hochwasserschutz mit Hilfe von mächtigen Rückhaltebecken entlang der Abens im südlichen Stadtgebiet ist vom Tisch. Bei drei Gegenstimmen hat der Stadtrat alle Pläne in diese Richtung jetzt ad acta gelegt. Der Grund: wenig effektiv und viel zu teuer. Trotz Investitionen in einer Größenordnung von um die 15 Millionen Euro würde sich der Pegelstand selbst bei einem hundertjährigen Hochwasserereignis nur um wenige Zentimeter senken lassen.

Die SPD, insbesondere Edgar Fellner, hatten sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund des letzten Flutereignisses im Juni 2013 viel von einem vorbeugenden Hochwasserschutz im Abenstal südlich der Hopfenstadt versprochen und sich für eine solche Lösung stark gemacht. Die Expertise, die der Diplom-Geograph Andreas Heckl vom Ingenieurbüro Blasy-Øverland mit Sitz in Eching am Ammersee am Dienstag im Stadtrat vorstellte, sorgte allerdings für Ernüchterung.

Die Dimensionen der Rückhaltebecken, die Heckl ins Auge fasste, sind für sich genommen durchaus beeindruckend: 155 000 Kubikmeter Fassungsvermögen auf einer Fläche nahe Mainburg mit einem bis zu 5,60 Meter hoch aufgeschütteten Damm; 60 000 weitere Kubikmeter nahe Puttenhausen mit einem 4,80 Meter hohen Damm; 270 000 Kubikmeter Volumen mit einem sechs Meter hohen Damm bei Enzelhausen; 61 000 Kubikmeter mit einem 5,70 Meter hohen Damm bei Grünberg; 11 000 Kubikmeter mit einem 5,10 Meter hohen Damm bei Hemersdorf.

Mindestens genauso atemberaubend sind auch die Kosten, die der Fachmann für diese mächtigen Bauwerke hochrechnete: insgesamt knapp 15 Millionen Euro. Im Einzelnen nannte Heckl 5,4 Millionen Euro für das Becken bei Mainburg, 5,25 Millionen Euro für das bei Puttenhausen, 2,2 Millionen Euro für das bei Grünberg sowie knapp zwei Millionen Euro für das bei Hemersdorf. In der Kostenschätzung fehlt Enzelhausen, weil das dort projektierte Becken den Plänen für eine Umgehung von Puttenhausen und Rudelzhausen im Wege stehen würde und dieser Standort wohl nicht weiterverfolgt werden kann.

Der Effekt der Rückhaltung hält sich in Grenzen. Auf der Bemessungsgrundlage eines hundertjährigen Hochwassers plus einem 15-prozentigen Aufschlag für den allgemeinen Klimawandel konnte Heckl keine spürbare Entlastung für die Hopfenstadt errechnen. Die entsprechenden Durchflussmengen unterstellt, könnte der Pegelstand in Mainburg um magere maximal fünf Zentimeter gesenkt werden, so der Fachmann. An der überfluteten Fläche ändert sich dadurch laut Expertenmeinung so gut wie gar nichts. Heckl: „Die Wirkung des Rückhalts ist sehr gering, und daneben wären in Mainburg weitere Maßnahmen im technischen Hochwasserschutz notwendig.“

Während Bürgermeister Josef Reiser (SLU) die Kosten-Nutzen-Analyse als „katastrophal“ bezeichnete, traute Edgar Fellner (SPD) dem Experten nicht so recht. „Da stimmt doch irgendwas nicht“, brummte der frühere dritte Bürgermeister. „Entweder ist das Gutachten nicht korrekt oder die Zahlen stimmen nicht.“ Mit seiner Meinung stand Fellner im Kreis seiner Ratskollegen so gut wie alleine da.

Während der SPD-Mann weiter grummelte, hatten sich die anderen Fraktionen längst von dem Konzept eines vorbeugenden Hochwasserschutzes verabschiedet. Allen voran CSU-Sprecher Thomas Kastner, der für seine Fraktion einen klaren Schlussstrich zog. „Das Gutachten ist absolut ernüchternd und das Thema damit vom Tisch“, konstatierte er. „Aufwand und Ertrag stehen in keinerlei Verhältnis“, so seine klare Erkenntnis aus den vorgestellten Zahlen. Nun sollte sich der Stadtrat nach dem Dafürhalten des CSU-Fraktionssprechers auf die Frage eines technischen Hochwasserschutzes konzentrieren. Das allerdings nur, wenn die betroffenen Anlieger und Grundstückseigentümer mitmachen, so Kastners Bedingung. Wenn nicht, deutete er an, das Projekt Hochwasserschutz komplett zu den Akten zu legen.

Vom Ergebnis des Gutachtens „überrascht“ zeigte sich Konrad Pöppel (ÖDP), „aber die Fakten sind eindeutig“. Dass selbst solche Maßnahmen so gut wie wirkungslos verpuffen, habe er sich nicht vorstellen können, räumte er ein. Dennoch wollte er die Idee eines vorbeugenden Hochwasserschutzes noch nicht ganz aufgeben und regte einen Auwald mit einigen Hektar Umgriff im Süden von Mainburg an. Doch selbst das halten die Experten nach ihren Erfahrungen für kaum zielführend, wie Bernhard Eichner, der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamts Landshut in der Sitzung andeutete.

15 Millionen für nichts und wieder nichts in den Sand zu setzen, kommt für Dr. Michael Schöll (FDP) nicht infrage. Auch er plädierte dafür, Überlegungen in diese Richtung jetzt endlich aufzugeben und vielmehr nach kleineren Entlastungsmöglichkeiten zu suchen. Warum die Berechnungen auf der Grundlage eines Jahrhunderthochwassers vorgenommen wurden, wunderte Annette Setzensack (ÖDP). Ihrer Meinung nach komme es doch vor allem auf eine wirksame Entlastung bei kleineren, dafür aber häufigeren Überflutungen an. Das allerdings scheitert allein schon an zuschussrechtlichen Fragen. „Der Freistaat setzt hier eine klare Marke“, sagte dritter Bürgermeister Matthias Bendl.

In der nächsten Sitzung, so jedenfalls kündigte es Bürgermeister Reiser an, wird der Hochwasserschutz erneut auf der Tagesordnung des Stadtrats stehen. Und dann kommt es zum Schwur, ob die Stadt ihre Pläne tatsächlich weiterverfolgt, oder das gesamte Projekt fallenlässt.

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